Mittwoch, 5. Juni 2019


zum Thema  Brandkatastrophe in Mahlberg vom 20. Oktober 1899

Gespräch über die Überlieferungen meines Onkels Heinrich Fass vom 7.1.1990

Danach soll es sich um Brandstiftung eines Jugendlichen aus dem Dorf gehandelt haben.

Die Aussage in meinem Beitrag Jahrbuch Kreis Euskirchen 1990,die Mutter desselben habe dem 

Schuldigen erst Prügel verabreichen wollen, anstatt einen Löschversuch zu machen, wurde von ihm 

ebenso erzählt.

Während und nach dem Brand sei es zu Diebstählen durch Fremde gekommen.

Eine Tante von ihm, Sting genannt, arbeitete bei Ausbruch des Brandes an den Knorren( Rüben) auf 

dem Feld in der Gemarkung Auf dem Rong.

Mein Großvater( Johann Fass) arbeitete damals mit seinem Meister in einer Schreinerei von 

Eicherscheid, als ihn dort die Nachricht erreichte,dass Mahlberg brenne.Er rannte von dort aus 

mehrere Kilometer bis nach Mahlberg, um zu helfen.

Niederschrift von Edgar Fass

Dienstag, 4. Juni 2019

Geldentwertung auf dem Höhepunkt der Inflation 1923 und ihre Folgen für Stadt und Amt Münstereifel

Die allgemeine Notlage der Einwohnerschaft von Stadt und Amt Münstereifel verschlimmerte sich Anfang der zwanziger Jahre wie überall im Land durch die katastrophale Geldentwertung der Deutschen Reichsmark. Die Notgeldentwicklung erreichte Mitte November 1923 auch im Münstereifeler Raum ihren grotesken Höhepunkt.Das Fortschreiten der Inflation mögen einige Zahlen verdeutlichen:

4. September 1923: 1 cbm Wasser kostet 100 RM. Der Bezugspreis für die Münstereifeler Zeitung beträgt 3 Mill. RM monatlich.
20. Oktober 1923: Porto für eine Postkarte 2 Mill. RM, für einen Brief 5 Mill. RM. Die Münstereifeler Zeitung kostet 10 Mill. RM monatlich. 1 cbm. Wasser wird für 3 Mill. RM abgegeben, 1 cbm. Brennholz kostet 150 Mill. RM.
2. November 1923: Porto für eine Postkarte 500 Mill. RM, für einen Brief 1 Mrd. RM. Die Münstereifeler Zeitung kostet monatlich 800 Mill. RM., 1 cbm.Wasser 1 Mrd. RM.  Der Entwurf des Haushaltsplanes für 1924 lautet auf 172000 Billionen RM.
15. November: Ende der Inflation, 1 Billionen Papiermark = 1 Rentenmark s. Anmerkung
                                                         ( Sta.Arch. M.E. 18/68, Mün. Ztg.1923/30
Diese Entwicklung führte zur Verarmung großer Bevölkerungsschichten auch im Eifeler Raum.Dies verdeutlicht ein Aufruf der Behörden vom 28. Nov. 1923 :
" Die Not im Kreise Rheinbach ist so groß geworden, dass an die Mildtätigkeit und Nächstenliebe aller Kreisbewohner appelliert wird.In jeder Gemeinde soll täglich eine kräftige Suppe zubereitet werden. (Mün. ztg. 1923/45)
4. November 1924: Die Grundschuld der Stadt Münstereifel aus der Notgeldaktion des Kreises Rheinbach beträgt 225 Billiarden-Papier-Mark. ( St.Arch. M.E. 28/168, S. 191, Mün. Ztg. 1924/64).

1927 Der Kreis Rheinbach hat durch die Notgeldaktion des Jahres 1923 Schulden in Höhe von 2,5 Mill. RM.Der Kreis übernimmt 1/3 der Schuldsumme, die Bürgermeistereien 2/3. Auf die Stadt-und Landbürgermeisterei Münstereifel entfällt ein Betrag von 853107 RM!( Sta.Arch. M.E. 18/169,Mün. Ztg.1927/S.19).
Eine zusätzliche Belastung in dieser ohnehin schweren Zeit stellte die Separatistenbewegung für das Rheinland dar. Zwar blieb sie im Raum Münstereifel ohne Erfolg, jedoch machte sich die Bewegung hier durch durchziehende Truppe bemerkbar. So erhält z.B. ein Trupp der sog. Sonderbündler,  die nach einem Gefecht bei Adenau versprengt wurden, am 13. Nov. 1923 für die Nacht Unterkunft in der Turnhalle des Gymnasiums (Mün. Ztg. 1923/43).

Montag, 1. April 2019

Videobeitrag: Mahlberger Heide

Zeitzeugenberichte von der Mahlberger Heide.


Hinweis:
Die Bilder stammen von der benachbarten Heide in Alendorf-Ripsdorf, da die Mahlberger Heide nicht mehr in der ursprünglichen Form existiert.

Mittwoch, 6. März 2019

 Aus dem Dorfleben
 Das erste Radiogerät in den 1920er-Jahren in Mahlberg
 nach den Erinnerungen von Peter Lethert

Oben bei Klaesges da war das erste Radio. Da sind wir immer abends da setze gegange Radio zu hören.Da war denen igre Köch und die Stuff,die waren dick voll vor lauter Radiohörer.In einem Jahr,da kriegten die die gestellt.

aus einem Gespräch vom 13.10.1992

Samstag, 23. Februar 2019


Standort, Fauna und Flora der Mahlberger Heide

Aufzeichnungen eines Gesprächs mit Peter Lethert aus Mahlberg.

Frage: Können Sie was dazu sagen,wie das damals auf der Heide hier aussah und wie die Lage war? Antwort:Die Mahlberger Heide  war oben auf  dem Hasenbruch,und Bliestal. Der Bliestal war all dem Halsstrick (1).Der hatte da 300 Morgen. Der hatte da eine eigene Jagd gekriegt jetzt.Die ganze Heide,die sonst dem Haniel(2) war,das hat der jetzt all beim Haus gekriegt. Fr.: Das war Bruchland, Heidegebiet?AW.:Dat war Heide, Ginster,verkrüppelte Kiefern wuchsen da.anders ja nichts. Fr.:Auch der Wacholder,habe ich mal gehört.AW.:Da war früher auch Wacholder,jetzt aber keiner mehr.Fr.:Damals? AW.:Damals war Wacholder so hoch wie das Zimmer hier.Fr.:Ich habe von damals so alte Bilder gesehen,das muss da sehr imposant gewesen sein mit dem Wacholder. AW.:Auf der Kopnück war auch sehr viel Wacholder.Auf Bliestal,das Haus dahinter,war sehr viel Wacholder.,an der Stelle da,so richtig solche Bäume.Fr.:Die sind leider alle gefällt worden. AW.:Das ist alles bei der Zusammenlegung urbar gemacht worden. Und dann sind ja die Siedlungshäuser dahin gebaut worden.(3)Fr.:Gab da auch besondere Tierarten,die heute ausgestorben sind?AW.:
Da war der Fuchs noch da, Marder. Fr.:Ich meine jetzt so Birkhühner, Auerhähne.Mein Vater meinte.....AW.:Rehe, Wildschweine ,Hirsche. Fr.:Aber dat haben sie nicht gesehen,so Birkhühner,Haselhühner?AW.:Hühnchen so sieht man ja gar keine. Es ist ja gut, wenn man das ganze Jahr eine sieht. Ich hab mal einmal eine gesehen im Sommer, sonst keine mehr. Fr.:Wann ist das etwa gerodet worden,in welchem Jahr war das?AW.:Hier? Fr.:Ich meine jetzt Mahlberger Heide. AW.:Mahlberger Heide, wann die gegründet wurde? Das weiß keiner, die hat ewig bestanden. Fr.:Ich meine ,wann Schluss war, wann der Flurbestand weg war. AW.:Das war 56 bis zur  Zusammenlegung.Das ganze Stück Mahlberger Heide ist abgetrennt worden.Das hat der Haniel gekriegt und der Haniel hat auch hat noch einzelne Parzellen durch die Flur liegen,die haben die Leute gekriegt und er hat da alles beieinander gekriegt. An den Zehnmorgen da alles beieinander gekriegt.Da war da viel viel Wald.Heute ist da Wildschweine,sonst sieht man nicht mehr viel ,höchstens Hirsch und Rehe sieht man ja kaum mehr.vor dem Weltkrieg ist da ja viel von der Heide gerodet worden;zu Ackerland und Wiese gemacht worden,wo heute die schönen Wiesen da.Viel Heide mit Kiefern bewachsen,alles umgemacht worden,alles ausgerodet worden.
Anmerkung: (1) Fabrikant in Stotzheim
                     (2) Industrieller
                     (3) betr. die sog.Aussiedlerhöfe an der Kopnück

Gespräch mit Peter Lethert aufgezeichnet von Edgar Fass
in Mahlberg am 13.10.1992

Bis zur Flurbereinigung im Amt Münstereifel-Land kamen Wacholderbüsche in größeren Beständen am Hohberg, Nähe Michelsberg, und vereinzelt noch an der Kopnück vor.Die Exemplare am Michelsberg sollen sogar bis zu Zimmergröße erreicht haben.

nach einem Gespräch mit Wilhelm Fass im November 1992

Einheimische Kost und Eßspezialitäten aus früherer Zeit

Auf den Heide- und Ödlandflächen wuchsen noch sehr zahlreich die Blaubeeren bzw. Heidelbeeren.Davon bereitete man den wohlschmeckenden Blaubeerkuchen. Als Delikatesse  war er bei den Städtern sehr gefragt.Ein Großteil der von den Dorfkindern gesammelten Beeren fand für ein paar Groschen Abnehmer bei den Bäckereien und Konditoreien in Münstereifel. Die nach der Getreideernte ausgesäten Rüben kamen später zum Teil auch auf den Mittagstisch.Hierfür mischte die kleingeschnittenen Blätter und in Würfelform zerkleinerte Rüben und brachte sie gepresst in einen 50 L großen Tontopf unter. Daraus bereitete man im Winter ein ungern gegessenes Mahl.Beliebter waren dagegen die von Buchweizenmehl bereiteten Pfannkuchen.Für den Buchweizenanbau  wurden hier im Höhengebiet als Kultivierungsfrucht auf gerodeten Waldflächen bevorzugt.Selten aufs Brot gab es den damals noch mit Wacholderzweigen geräucherten Schinken.Den naturgeräucherten Schinken zum Steinofenbrot gab es als Rarität nur zu festlichen Anlässen.Ein gekochtes Hühnerei  mussten sich oft genug mehrere Personen teilen.Zu der Zeit war das Wasser in den Bächen dieser Gegend noch sauber und es gab darin auch noch Forellen,wovon die Dorfjungen mit der Hand unter dem Ufer heimlich welche gefischt haben.

aus Gespräch mit Wilhelm Fass
in Mahlberg im November 1992
Von der Landwirtschaft

Russische Pferde in der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg waren noch viele Russenpferde hier, Panjepferde. Frage:Die waren auch sehr genügsam.Antwort: Die waren aber zäh waren die.Die konnten den ganzen Tag laufen.Aus dem Feld konnten die Trapp nach Haus fahren.Das machte denen gar nichts aus.Zäh waren die. Fr.:Die waren ja die Härte,die Kälte gewöhnt in Russland, wo die herkamen.Das war für die hier praktisch eib Sommerurlaub vom Klima her.Antwort: Jaja

aus einem Gespräch mit Peter Lethert am 13.10.1992 in Mahlberg

Alte Pflüge

Früher hatten sie  hier in der Landwirtschaft noch Holzpflüge aus altem Holz.. Nachher gab es die Eisenpflüge.Ganz früher, da hatten sie ein Holzwendegeschirr.Das heißt Hölzer.Jedesmal ging das da drüber.Da wurde sich °so baschte" gestellt da.

aus einem Gespräch mit Peter Lethert am 13.10.1992 in Mahlberg