Der Wolf, ein bejagtes und ausgerottetes Wildtier in der Eifel
Auszüge aus einem Artikel des Archivpflegers Toni Hürten aus Bad Münstereifel
Anfang des 19. Jahrhunderts war in unserer Heimat der Wolf ein noch häufig vorkommendes Wild, das wegen seiner Gefährlichkeit für Menschen und Tiere mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft wurde.Man hielt Jagden ab, versuchte den Fang in Gruben, mit Netzen und Fallen, und als letztes Mittel griff man zum Gift.In den früheren Jahrhunderten war der Wolf in der Eifel Standwild,wie dies die alten Weistümer von der Ahr, Kesseling 1397 und Kreuzberg 1518, bestätigen.Über das Vorkommen in den späteren Jahren in unserer Heimat gibt das Archivmaterial der Stadt Münstereifel interessante Einzelheiten.
Im Jahre 1681 wurden im Herzogtum Jülich zur Ausrottung der sich vermehrenden Wölfe als Prämien für die Erlegung einer Wölfin 8 Reichstaler, eines Wolfes 6, eines Jungwolfes,der noch nicht auf Raub ausgeht ausgeht ,4, und eines solchen, der noch säugt, 3 Reichstaler ausgesetzt.
1747 traten die Wölfe in großer Anzahl im Herzogtum auf und verursachten großen Schaden in den Wildbahnen.Zu deren Bekämpfung sollen Wolfseisen und Garn gesetzt werden, und die Gemeinden werden mit 5 Reichstaler für jedes entwendete Eisen verantwortlich gemacht.1756 wird den Bewohnern des Herzogtums "unter 10 Gulden Strafe verboten, bei neufallendem Schnee in den Wald zu gehen, Holz zu hausen oder sonst ein Getöse zu machen, damit die Kurfürstliche Jägerey zur Ausrottung der Wölfe bei den anzustellenden Wolfsjagden auf ein- oder andere weiß nicht behindert werde".Das gleiche Verbot erließ Johann Wilhelm Graf zu Manderscheid 1765 auch für den Kreis Schleiden gültig.
Besonders in der Zeit der französischen Fremdherrschaft nahmen die Wölfe überhand, was auf die unruhigen Kriegsjahre und das Nachlassen regelmäßiger Jagden und Wegfall der Prämien zurückzuführen ist.Nach dieser Zeit werden die Prämien wieder eingeführt und Jagden angeordnet. Am 19. Januar 1807 war eine Treibjagd im Flamersheimer Wald angesetzt.
Einem Mahlberger Bauern riss der Wolf im Juli eine Kuh, im Januar 1814 verkündete der Maire von Kuchenheim, dass er im Flamersheimer Walde zum Vertilgen der Wölfe habe Gift auslegen lassen.
In einer Verfügung des Generalgouvernements vom Nieder- und Mittelrhein heißt es 1814:
" Die Forstbediente haben sich die Ausrottung der schädlichen Raubtiere, sowohl zum allgemeinen Besten, als auch zur Erhaltung der Jagd angelegen seyn zu lassen, vornehmlich der Wölfe.Besonders aber in dem Falle, wenn Wölfe herumstreifen und"Spuren" (Fährten) davon vorhanden sind, müssen sich die Forstbedienten vereinigen, um derselben habhaft zu werden.Bei den dieserhalb anzustellenden Jagden sollen alle ackerbautreibenden Einwohner, sowohl in den Dörfern als Städten,desgleichen diejenigen, welche gar keine Äcker besitzen,jedoch Pferde, Rindvieh und Schaf halten,Hülfe leisten kommen....... Jede Gemeinde, welche nur zwei Stunden von dem Ort entfernt ist, wo der Wolf mit Wahrscheinlichkeit sich aufhält,soll zu der Teilnahme an solchen Jagden verbunden seyn".
Im Oktober 1814 erlegten Husaren des kgl. Sächsischen Regiments, die in Münstereifel einquartiert waren, im Schönauer Gemeindewald zwei Wölfe. Im Februar des folgenden Jahres wurden in demselben Walde vom Revierförster Mertens von der Hardtburg zwei Wölfe erlegt, und im Juni fing eine Frau Agnes Lünebach aus Mahlberg einen Jungwolf ,ebenfalls Johann Binzenbach,damals Förster in Mahlberg,einen jungen männlichen Wolf, und Johann Müller und Johann Kirsch,beide von Schönau, vier junge weibliche Wölfe.Im Juli wurde wiederum im Flamersheimer Walde eine Jagd angesetzt, da sich in der Gegend von Vettelhoven wütende Wölfe gezeigt hatten, die Menschen und Tiere anfielen und eine Frau tötlich gebissen hatten; zugleich soll damit verbunden sein eine Jagd auf " Deserteute",die sich in dem genannten Walde versteckt hielten.
Eine große Treibjagd fand im September gleichen Jahres im Münstereifler Stadt-und Gemeindewald mit 400 Treibern statt. Am Eierberg,im Erfttal zwischen Eicherscheid und Schönau , war der Treffpunkt mit den Treibern aus den Ortschaften Schönau 30, Mahlberg 30, Mutscheid 40, Effelsberg 44 und Houverath 45. Im Februar 1815 erlegte Förster Mertens im Schönauer Walde wiederum zwei Wölfe, und man hielt an drei aufeinanderfolgenden Tagen in den Revieren Münstereifel, Effelsberg, Houverath und Arloff-Iversheim eine Treibjagd ab.
Im Mai 1816 wurden in der Gemeinde Effelsberg sechs Wölfe, und im Juni in der Gemeinde Schönau acht Jungwölfe gefangen.Eine auf die Wölfin angesetzte Jagd verlief ergebnislos.Im Oktober 1817 erlegte Mertens im Münstereifeler Wald einen Wolf und eine Wölfin. Auch in der Mutscheid meldete man Wolfsspuren und beantragte eine Teibjagd. In einem Bericht der damaligen Zeit heißt es:"Nach eingeholten Erkundigungen sind z.Zt. keine Wege in der Eifel durch Diebe und Wölfe unsicher, jedoch nehmen die Wölfe in und um die Gegend der Mutscheid Hunde und Schafe der Hirten und Herden. Dem Rupperather Schäfer hat der Wolf vor 14 Tagen seinen guten Hund vor den Schafen weggenommen, so daß die Herde in Gefahr steht, von den Wölfen gerissen zu werden.In diesem Jahre wurden die Prämien erhöht, und zwar für die Wölfin auf 12, Wolf 10, Jungwolf (1. Juni bis Ende September) 8,Nestwolf 4 und ungeborener Wolf 1 Reichstaler.
Im Juni 1818 fingen der Tuchwalker Josef Zinken aus Eicherscheid im Münstereifeler Wald , Distrikt Lange Kopf , zwei, und Peter Höver und Johann Rademacher drei Nestwölfe, wofür sie die ausgesetzte Prämie von je 4 Reichstaler erhielten.
Im Regierungsbezirk Köln wurden in den Jahren 1816 bis 1826 für 106 erlegte Wölfe Prämien gezahlt.In einer Bekanntgabe aus dem Jahre 1862 heißt es,dass in dem Regierungsbezirk Trier in den letzten 46 Jahren 12882 Reichstaler für zusammen 1746 erlegte Wölfe gezahlt wurden.
Bei einer solch intensiven Verfolgung und Nachstellung konnte es nicht ausbleiben, dass das Vorkommen der Wölfe und die öffentlichen Jagden immer seltener wurden.Nur hier und da erfahren wir noch von Wölfen,die erlegt wurden,so z.B. erlegte Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts der damalige Kgl. Forstgehilfe, spätere Hegemeister Jansen zu Marmagen, im Revier Stritterhof, vier ein Rudel von sieben Wölfen eingekreist,von dem der Hotelbesitzer Letiscerant aus Blankenheim einen erlegte.In den sechziger Jahren brachte der damalige Lehrer Vent in Steinfeld im Revier Steinfeld, Distrikt Großeich, einen Wolf zur Strecke, und 1886 erlegte der Gutsbesitzer von Rösgen zu Vellerhof bei Blankenheim einen Wolf.Im Kreis Schleiden sollen bis 1890 noch Wölfe gespürt und gesehen,doch keine mehr erlegt worden sein.Heute sind sie gänzlich ausgerottet.Man hört gelegentlich noch, dass Wölfe in Norddeutschland , so in der Lüneburger Heide, angetroffen werden, die von Osten her eingewechselt sind.Bei uns ist die Ausrottung so gründlich geschehen,dass hier die Wölfe als vernichtet gelten können.* s.Anmerkung
Aus der mündlichen Überlieferung noch zwei Wolfsgeschichten:" Dem vor Jahresfrist verstorbenen Förster Mauel, Forsthaus Unterdikt, hatte sein Großvater erzählt, dass man damals auf dem Franzosenhof,heute Unterdikt, einen gezähmten Wolf gehalten, der sich öfter mit dem Pferd auf der Koppel aufhielt.Als man eines Tages aus der Kirche aus Houverath zurückkam, war das Pferd gerissen und der Wolf verschwunden".....
* Anmerkung : Heutzutage sind Wölfe in mehreren Gegenden in Ostdeutschland,vor allem in Ostsachsen,und auch vereinzelt in anderen Bundesländern wieder heimisch geworden.Es stellt sich daher die berechtigte Frage, ob und wann sie auch wieder in der Eifel sesshaft werden.
Dienstag, 5. April 2016
Donnerstag, 19. November 2015
Wetterereignisse in den zwanziger Jahren im Raum Bad Münstereifel
Verheerende Unwetter in den zwanziger Jahren richteten großen Schaden an und vergrößerten noch die Notsituation der Bevölkerung im Raum Münstereifel.
Dies mag nachstehende Chronologie verdeutlichen:
4. Juni 1921: Schwere Unwetter über Stadt und Umgebung mit wolkenbruchartigem Regen,große Verheerungen in Feldern und Gärten(Mün.Ztg.1921/46).
1921 : Dürrejahre und Mißernte ( Mün. Ztg. 1931/245)
1924: Regenjahr, Unwetter, Hagel und Hochwasser richten im Mai und November großen Schaden an ( Mün. Ztg. 1931/245).
1.Januar 1926: Hochwasser am Neujahrstag (Mün.Ztg. 1931/245
17. Mai 1926 Nach anhaltendem Regen führen die Erft und Nebenbäche Hochwasser.Im Schleidtal große Verwüstungen(Sta.Arch. M.E. 11/5, Mün.Ztg.1926/40
1927 Das Jahgr brachte Regen- und schlimmes Hagelwetter,Ernte-und Wasserschäden(Mün.Ztg. 1931/245)
15. Februar 1929: Es herrscht strenge Kälte. Im Nachbarkreis Schleiden werden alle Volksschulen bis auf 7 geschlossen.Wegen der andauernd scharfen Kälte Not unter den Tieren des Waldes.Für die ganze Rheinprovinz wird die Ausübung der Jagd bis zum 10. März verboten(Mün.Ztg.1929/14).
25. März 1929: Die 30-40 cm starke Eisdecke auf der Erft beginnt zu tauen.Wegen der Stauung der Eismassen an den einzelnen Brücken und Durchlässen besteht große Überschwemmungsgefahr.Die Feuerwehr beseitigt sie durch wiederholte Eissprengungen( Sta.Arch.M.E.11/5).
1929: Anhaltende Dürre und Trockenheit(Mün.Ztg.1931/245).
Alles in allem waren die zwanziger Jahre für die Menschen in den kleinen Dörfern im Amt Münstereifel eine harte und entbehrungsreiche Zeit.
Anmerkung: aus Chronik der Stadt Bad Münstereifel,Band 2, Seite 96
Verheerende Unwetter in den zwanziger Jahren richteten großen Schaden an und vergrößerten noch die Notsituation der Bevölkerung im Raum Münstereifel.
Dies mag nachstehende Chronologie verdeutlichen:
4. Juni 1921: Schwere Unwetter über Stadt und Umgebung mit wolkenbruchartigem Regen,große Verheerungen in Feldern und Gärten(Mün.Ztg.1921/46).
1921 : Dürrejahre und Mißernte ( Mün. Ztg. 1931/245)
1924: Regenjahr, Unwetter, Hagel und Hochwasser richten im Mai und November großen Schaden an ( Mün. Ztg. 1931/245).
1.Januar 1926: Hochwasser am Neujahrstag (Mün.Ztg. 1931/245
17. Mai 1926 Nach anhaltendem Regen führen die Erft und Nebenbäche Hochwasser.Im Schleidtal große Verwüstungen(Sta.Arch. M.E. 11/5, Mün.Ztg.1926/40
1927 Das Jahgr brachte Regen- und schlimmes Hagelwetter,Ernte-und Wasserschäden(Mün.Ztg. 1931/245)
15. Februar 1929: Es herrscht strenge Kälte. Im Nachbarkreis Schleiden werden alle Volksschulen bis auf 7 geschlossen.Wegen der andauernd scharfen Kälte Not unter den Tieren des Waldes.Für die ganze Rheinprovinz wird die Ausübung der Jagd bis zum 10. März verboten(Mün.Ztg.1929/14).
25. März 1929: Die 30-40 cm starke Eisdecke auf der Erft beginnt zu tauen.Wegen der Stauung der Eismassen an den einzelnen Brücken und Durchlässen besteht große Überschwemmungsgefahr.Die Feuerwehr beseitigt sie durch wiederholte Eissprengungen( Sta.Arch.M.E.11/5).
1929: Anhaltende Dürre und Trockenheit(Mün.Ztg.1931/245).
Alles in allem waren die zwanziger Jahre für die Menschen in den kleinen Dörfern im Amt Münstereifel eine harte und entbehrungsreiche Zeit.
Anmerkung: aus Chronik der Stadt Bad Münstereifel,Band 2, Seite 96
Fahrende Händler in den zwanziger Jahren
Alles in allem waren die zwanziger Jahre nach dem 1. Weltkrieg für die Menschen auch in den kleinen Dörfern des Münstereifeler Höhengebiets eine harte und entbehrungsreiche Zeit.
Abwechslung in den Alltag der Menschen brachten auswärtige Händler; so zum Beispiel eine Kaffeebohnenhändlerin aus Reckerscheid und ein Eieraufkäufer aus Stotzheim.Des öfteren kamen auch jüdische Viehhändler aus Münstereifel zum Aufkauf von Kälbern und Kühen ins Dorf.
Der Münstereifeler Jude Lucas*, der vom Viehhandel lebte, machte Anfang der Dreißiger Jahre in Mahlberg folgende Aussage zu dem Zeichen;
B Die Anfangsbuchstaben bedeuten:
1. waagerecht: Immer wirds schlimmer
J W S 2. senkrecht: Besser wirds nimmer
N Nach Strafandrohung korrigierte er
1. waagerecht: Jungens, werdet so
2. senkrecht: Brav wie Napoleon
Nach Überlieferung von Wilhelm Fass aus Mahlberg
*Anmerkung:Laut dem Historiker Hans-Dieter Arntz wurde dem Viehhändler Andreas Lucas aus Münstereifel,nachdem sich sein Nettoeinkommen von 6,000 bis 7.000 Reichsmark vor der Machtergreifung auf nur noch 2.000 Reichsmark im Jahr 1934 reduziert hatte, im Jahr darauf die Viehhandelskonzession entzogen, weil er angeblich keine reellen Geschäfte betrieb,Er mußte im Jahr 1937 seine Metzgerei in Münstereifel verkaufen und migrierte 1939 kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs noch rechtzeitig über die belgische Grenze nach England und entging so dem Holocaust.Nachkommen von ihm sollen in den USA leben.
Alles in allem waren die zwanziger Jahre nach dem 1. Weltkrieg für die Menschen auch in den kleinen Dörfern des Münstereifeler Höhengebiets eine harte und entbehrungsreiche Zeit.
Abwechslung in den Alltag der Menschen brachten auswärtige Händler; so zum Beispiel eine Kaffeebohnenhändlerin aus Reckerscheid und ein Eieraufkäufer aus Stotzheim.Des öfteren kamen auch jüdische Viehhändler aus Münstereifel zum Aufkauf von Kälbern und Kühen ins Dorf.
Der Münstereifeler Jude Lucas*, der vom Viehhandel lebte, machte Anfang der Dreißiger Jahre in Mahlberg folgende Aussage zu dem Zeichen;
B Die Anfangsbuchstaben bedeuten:
1. waagerecht: Immer wirds schlimmer
J W S 2. senkrecht: Besser wirds nimmer
N Nach Strafandrohung korrigierte er
1. waagerecht: Jungens, werdet so
2. senkrecht: Brav wie Napoleon
Nach Überlieferung von Wilhelm Fass aus Mahlberg
*Anmerkung:Laut dem Historiker Hans-Dieter Arntz wurde dem Viehhändler Andreas Lucas aus Münstereifel,nachdem sich sein Nettoeinkommen von 6,000 bis 7.000 Reichsmark vor der Machtergreifung auf nur noch 2.000 Reichsmark im Jahr 1934 reduziert hatte, im Jahr darauf die Viehhandelskonzession entzogen, weil er angeblich keine reellen Geschäfte betrieb,Er mußte im Jahr 1937 seine Metzgerei in Münstereifel verkaufen und migrierte 1939 kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs noch rechtzeitig über die belgische Grenze nach England und entging so dem Holocaust.Nachkommen von ihm sollen in den USA leben.
Freitag, 30. Oktober 2015
Chronik der Notjahre und sonstige Ereignisse von 1816 bis 1899
Nach alten Berichten brachte das Jahr 1816 dem Münstereifeler Land wie der übrigen Eifel wiederum wirtschaftliche Not,diesmal durch Witterungsunbilden.Bis in den Juni hinein lag stellenweise der Schnee.Anfang November fiel schon wieder neuer Schnee.Nichts wurde reif, alles verdarb,Ende September brachte man das Heu ein.Die Kartoffeln erfroren und lagen unter dem Schnee begraben.Man grub die nur walnußgroßen Kartoffeln aus und backte Brot daraus.
( Eifelgut Heft 6 aus 1931,Eifeler Bauernnöte von Stud.rat Dr.J. Janssen).
Anmerkung Verf.: Heute wissen wir, dass die damaligen Wetteranomalien in Zusammenhang mit dem gewaltigen Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa standen. An den Spätfolgen der Eruption starben mindestens 71.000 Menschen. Sie wurden Opfer des vulkanischen Winters, der 1816 weite Teile von Nordamerika und Europa im Griff hatte und durch den Vulkanausbruch ausgelöst wurde. Das Jahr 1816 ging als " Das Jahr ohne Sommer" in die Analen der Geschichtsbücher ein.
1817 kam dann die große Teuerung.Das Malter Roggen kostete 23 Taler,ein achtpfündiges Brot 15-17 Silbergroschen.Die hungrigen Menschen aßen Kartoffellaub,Wurzeln, Viehfutter und man kochte Schnecken,um etwas Kräftiges zu genießen.Wolfsfleisch war sehr begehrt.Aus Nesseln und Hahnenfoß gewann man einen Mus.( gleiche Quelle wie vorher).
1836 erschien eine Kabinettsordre,die das Strohdach verbot.
1845,46,47 brachten schlechte Ernten und wieder Notjahre.
1848 Da die Grundsteuer aufgrund einer falschen Einschätzung der Bodenqualität in der Eifel viel zu hoch waren, kam die Unzufriedenheit zum Ausbruch.
Eine Weitere Folge dieser Not war die Auswanderung Tausender Eifeler Bauern.Auch viele aus den Dörfern dieser Gegend sind damals nach Amerika ausgewandert.
1853 Im preußischen Landtage wurde eine große Denkschrift vorgelegt,die ein erschütterndes Bild von den damaligen Zuständen in der Eifel gab.Es wurde darin u,a. ausgeführt,dass 2/3 der Eifeler Bauern nur einmal im Jahr Fleisch aßen und zwar auf Kirmes.Alle Bauern ohne Ausnahme waren sehr verschuldet.
1870-71 Mahlberger kämpfen im deutsch-französischen Krieg unter preußischer Flagge.Überlebende Veteranen stiften für den Kreuzweg auf dem Michelsberg eine Station.
1882 entstand in der Eifel eine neue Hungersnot.In ganz Deutschland sammelte man daraufhin für die notleidende Bevölkerung der Eifel.
1884 schuf die Staatsregierung mit Hilfe der Provinz den sogenannten Eifelfonds,der zur Verbesserung der Landesstruktur bestimmt war.
1899 Oktober:* Ein verheerender Brand vernichtet den größten Teil von Mahlberg.In einer mit Heu gefüllten Scheune spielten Kinder mit Feuer und verursachten so die Brandkatastrophe.Da viele Häuser noch mit Stroh gedeckt waren,breitete sich das Feuer schnell aus.Der durch Wind verursachte Funkenflug führte zu neuen Bränden.So brannte schließlich der Dorfkern in Höhe von der jetzigen Kirche(Haus Wasem) bis zum Haus Lethert ab.Durch Funkenflug brennt auch in der Bielengasse noch das Haus Raaf ab.
( *mündliche Überlieferung durch Dorfbewohner).
Nach alten Berichten brachte das Jahr 1816 dem Münstereifeler Land wie der übrigen Eifel wiederum wirtschaftliche Not,diesmal durch Witterungsunbilden.Bis in den Juni hinein lag stellenweise der Schnee.Anfang November fiel schon wieder neuer Schnee.Nichts wurde reif, alles verdarb,Ende September brachte man das Heu ein.Die Kartoffeln erfroren und lagen unter dem Schnee begraben.Man grub die nur walnußgroßen Kartoffeln aus und backte Brot daraus.
( Eifelgut Heft 6 aus 1931,Eifeler Bauernnöte von Stud.rat Dr.J. Janssen).
Anmerkung Verf.: Heute wissen wir, dass die damaligen Wetteranomalien in Zusammenhang mit dem gewaltigen Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa standen. An den Spätfolgen der Eruption starben mindestens 71.000 Menschen. Sie wurden Opfer des vulkanischen Winters, der 1816 weite Teile von Nordamerika und Europa im Griff hatte und durch den Vulkanausbruch ausgelöst wurde. Das Jahr 1816 ging als " Das Jahr ohne Sommer" in die Analen der Geschichtsbücher ein.
1817 kam dann die große Teuerung.Das Malter Roggen kostete 23 Taler,ein achtpfündiges Brot 15-17 Silbergroschen.Die hungrigen Menschen aßen Kartoffellaub,Wurzeln, Viehfutter und man kochte Schnecken,um etwas Kräftiges zu genießen.Wolfsfleisch war sehr begehrt.Aus Nesseln und Hahnenfoß gewann man einen Mus.( gleiche Quelle wie vorher).
1836 erschien eine Kabinettsordre,die das Strohdach verbot.
1845,46,47 brachten schlechte Ernten und wieder Notjahre.
1848 Da die Grundsteuer aufgrund einer falschen Einschätzung der Bodenqualität in der Eifel viel zu hoch waren, kam die Unzufriedenheit zum Ausbruch.
Eine Weitere Folge dieser Not war die Auswanderung Tausender Eifeler Bauern.Auch viele aus den Dörfern dieser Gegend sind damals nach Amerika ausgewandert.
1853 Im preußischen Landtage wurde eine große Denkschrift vorgelegt,die ein erschütterndes Bild von den damaligen Zuständen in der Eifel gab.Es wurde darin u,a. ausgeführt,dass 2/3 der Eifeler Bauern nur einmal im Jahr Fleisch aßen und zwar auf Kirmes.Alle Bauern ohne Ausnahme waren sehr verschuldet.
1870-71 Mahlberger kämpfen im deutsch-französischen Krieg unter preußischer Flagge.Überlebende Veteranen stiften für den Kreuzweg auf dem Michelsberg eine Station.
1882 entstand in der Eifel eine neue Hungersnot.In ganz Deutschland sammelte man daraufhin für die notleidende Bevölkerung der Eifel.
1884 schuf die Staatsregierung mit Hilfe der Provinz den sogenannten Eifelfonds,der zur Verbesserung der Landesstruktur bestimmt war.
1899 Oktober:* Ein verheerender Brand vernichtet den größten Teil von Mahlberg.In einer mit Heu gefüllten Scheune spielten Kinder mit Feuer und verursachten so die Brandkatastrophe.Da viele Häuser noch mit Stroh gedeckt waren,breitete sich das Feuer schnell aus.Der durch Wind verursachte Funkenflug führte zu neuen Bränden.So brannte schließlich der Dorfkern in Höhe von der jetzigen Kirche(Haus Wasem) bis zum Haus Lethert ab.Durch Funkenflug brennt auch in der Bielengasse noch das Haus Raaf ab.
( *mündliche Überlieferung durch Dorfbewohner).
Samstag, 3. Oktober 2015
1100 Jahrfeier Mahlberg am Michelsberg (Bad Münstereifel) von 1993
Hier ein paar Aufnahmen der Mahlberger 1100 Jahrfeier von 1993.
Festzug mit historischen landwirtschaftlichen Geräten und Trachten im Dorf, Handwerkermarkt und Aufnahmen im Festzelt.
Donnerstag, 29. Januar 2015
Sprengplatz für Weltkriegsmunition
Eine ständige Gefahr für die Bevölkerung von Mahlberg und der angrenzenden Ortschaften war der nach dem Krieg von den Amerikanern auf dem Gelände der ehemaligen Mahlberger Heide eingerichtete und von der britischen Besatzungsmacht weitergeführte Sprengplatz für übrig gebliebene oder nicht detonierte Kriegsmunition.Diese lag zum Teil noch in großen Mengen an Straßenrändern deponiert(z.B. an der Landstraße Abschnitt Jüleschuuse=Gierlichhausen) oder als Blindgänger im Gelände bzw.den Orten früherer Kampfhandlungen herum.
Täglich bis zu sechs Sprengungen gehörten bis Mitte der fünfziger Jahre zur Tagesordnung.Dies verdeutlicht das Ausmaß des Waffenarsenals, das noch in der Eifel herumlag; eine Gefahrenquelle für Menschen und Wildtiere. Als Episode in diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass einmal einigen Waldarbeitern aus Schuld/Ahr im Waldgebiet nahe der Kapelle "Dicke Tönnes" die Kaffeekanne über der Feuerstelle in die Luft flog.Zum Glück kam niemand dabei zu Schaden, da sie zum Zeitpunkt der Explosion nach beendeter Pause bereits wieder ihrer Arbeit nachgingen.
Es versteht sich, dass auch die Mitarbeiter des Sprengkommandos einer besonderen Gefährdung ausgesetzt werden, wobei einer aus ihren Reihen sein Leben ließ.
Lästig und hinderlich waren auch die Unterbrechungen bei der Feld-, Ernte- und Waldarbeit sowie die Sperrung der in der Nähe vorbeiführenden Landstraße nach Rheinbach während der angekündigten Sprengzeiten.Dies führte dann zu längeren Wartepausen. In den umliegenden Wäldern warnten Schilder vor dem Betreten.Splitter von gesprengter Munition lagen oft noch kilometerweit vom Sprengplatz entfernt auf dem Waldboden herum.Auf dem Sprengplatz selbst kündeten noch tiefe Krater von den Detonationen.
Erst nach der Schließung des Sprengplatzes Mitte der fünfziger Jahre kehrte für die am Michelsberg lebenden Menschen Ruhe ein.
nach mündlicher Überlieferung von Einwohnern
und eigenes Erleben des Verfassers
Eine ständige Gefahr für die Bevölkerung von Mahlberg und der angrenzenden Ortschaften war der nach dem Krieg von den Amerikanern auf dem Gelände der ehemaligen Mahlberger Heide eingerichtete und von der britischen Besatzungsmacht weitergeführte Sprengplatz für übrig gebliebene oder nicht detonierte Kriegsmunition.Diese lag zum Teil noch in großen Mengen an Straßenrändern deponiert(z.B. an der Landstraße Abschnitt Jüleschuuse=Gierlichhausen) oder als Blindgänger im Gelände bzw.den Orten früherer Kampfhandlungen herum.
Täglich bis zu sechs Sprengungen gehörten bis Mitte der fünfziger Jahre zur Tagesordnung.Dies verdeutlicht das Ausmaß des Waffenarsenals, das noch in der Eifel herumlag; eine Gefahrenquelle für Menschen und Wildtiere. Als Episode in diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass einmal einigen Waldarbeitern aus Schuld/Ahr im Waldgebiet nahe der Kapelle "Dicke Tönnes" die Kaffeekanne über der Feuerstelle in die Luft flog.Zum Glück kam niemand dabei zu Schaden, da sie zum Zeitpunkt der Explosion nach beendeter Pause bereits wieder ihrer Arbeit nachgingen.
Es versteht sich, dass auch die Mitarbeiter des Sprengkommandos einer besonderen Gefährdung ausgesetzt werden, wobei einer aus ihren Reihen sein Leben ließ.
Lästig und hinderlich waren auch die Unterbrechungen bei der Feld-, Ernte- und Waldarbeit sowie die Sperrung der in der Nähe vorbeiführenden Landstraße nach Rheinbach während der angekündigten Sprengzeiten.Dies führte dann zu längeren Wartepausen. In den umliegenden Wäldern warnten Schilder vor dem Betreten.Splitter von gesprengter Munition lagen oft noch kilometerweit vom Sprengplatz entfernt auf dem Waldboden herum.Auf dem Sprengplatz selbst kündeten noch tiefe Krater von den Detonationen.
Erst nach der Schließung des Sprengplatzes Mitte der fünfziger Jahre kehrte für die am Michelsberg lebenden Menschen Ruhe ein.
nach mündlicher Überlieferung von Einwohnern
und eigenes Erleben des Verfassers
Montag, 19. Januar 2015
Deutungen von Flurnamen in Mahlberg
Die Flurnamen des Ortes Mahlberg entstammen dem in der Nordeifel gesprochenen ripuarischen Dialekt der Franken, die die Gegend in nachrömischer Zeit besiedelten.Die Namen gehen darüber hinaus zum Teil wohl auf keltischen Ursprung zurück. Der Ursprung oder Anlass für die Namensgebung der Fluren und Gemarkungen lässt sich vielfach nicht mehr feststellen.Evtl. könnten in Einzelfällen auch Personen- oder Familiennamen eine Rolle gespielt haben.Jedoch kann man oft noch erkennen, auf welchen Ursprung der Name zurück zu führen ist.Eine Erklärung für die nachstehenden Flurnamen habe ich von älteren Einheimischen in den 80-er-Jahren erhalten.
Alt-Rott
Dem Namen nach eine alte Rodung.Man sagt, dort habe bis zum Dreißigjährigen Krieg Mahlberg
gestanden.Dieser Standort befindet sich unterhalb der Landstraße Richtung Rheinbach, so dass der
Ort dann wesentlich höher lag als heute,wo der Ortskern sich auf einer geschützten Sattellage befindet. Es handelt sich bei dem alten Standort evtl. auch um die frühere Wüstung Heigem, die in alten französischen Tranchot-Karten aus napoleonischer Zeit von 1801-1814 an dortiger Stelle als Ruine Heigem angegeben ist.Die Ausführungen "Die Wandlungen im Landschaftsbilde der Eifel seit der unter dem Obersten Tranchot ausgeführten französischen Landesaufnahme( 1801- 1814) enthalten auf der Seite 83 einen Hinweis: ..... im Quellgebiet der Erft wurde Heigem bei Mahlberg ( Kreis Rheinbach) mit fünf Häusern als aufgegebene Wüstung erwähnt.
Artefakt Basaltstößel aus der Jungsteinzeit/Bronzezeit
Literaturnachweis: Artikel von Walther Tuckermann in Festschrift des Eifelvereins zur 25jährigen Jubelfeier.
Auf dem Ring ( im Volksmund Op dem Rong)
deutet auf eine wallähnliche Befestigung hin
Auf dem Eigen
Flurname für ein Gebiet oder Anwesen, das in früherer Zeit der Gründung dem Kloster Prüm oder anderer Herrschaft nicht abgabepflichtig( zehntfrei) war.
Auf dem Eiden, deutet auf eine frühere Thing- bzw. Gerichtsstätte hin.
Auf dem Haddert
in alten Urkunden auch Hadert geschrieben. Der Name könnte eine alte Kampfstätte bezeichnen. Vielleicht ereignete sich hier vormals auch eine private Fehde.
Hinten zu Mahlberg,Flurname für ein kleines Hochplateau östlich des Michelsberges.
dieser Flurname soll für eine untergegangene Siedlung stehen, die zum Ort Mahlberg gehörte.
In einem Teil der Wiese sieht man heute noch eine rechteckige ebene Fläche von Zimmergröße, die sich in ihrem Profil deutlich von dem umgebenden Gelände abhebt.Etwa 150 m nordöstlich davon tritt eine Quelle zutage, die nachweislich bereits in der Mittelsteinzeit den Menschen Wasser spendete und auch von den Römern genutzt wurde, die hier die Streße von Trier nach Köln vorbeiführten. An dieser Stelle machte man eine kleine Senke unterhalb der Quelle durch einen heute noch sichtbaren Erddamm passierbar.Dieser Erddamm staute damals das Quellwasser als Pferdetränke auf, Das Überlaufwasser im Gegensatz zu heute durch Drainage unterhalb des Erdwalls abgeleitet. Knapp 80 m südöstlich ist heute im mit Gebüsch bestandenen Gelände eine aufgelassene Kuhle, die den Römern als Erdaushub bzw.Steinbruch für den Trassenbau der Straße diente.
Galgenbenden( im Volksmund Jalchebähne gesprochen,d.h. Wiese) am Südhang des Michelsberges oberhalb der Straße nach Reckerscheid. Bezeichnet nach dem Standort des Galgens, der in früherer Zeit hier stand.Die Gerichtsstätte, genannt das große Gericht, war auf dem Michelsberg.
Am Lindchen, jetzt an der Zufahrt zum Wanderparkplatz am Michelsberg
Früher stand an dieser Stelle ein hohler Lindenbaum.In den Wiesen unterhalb hat man in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts Grundrisse aus römischer Zeit und auch Keramik entdeckt. Die Fundstelle ist heute im Wiesengelände verborgen.In ihr entdeckt man heute noch das Profil des ansteigenden Verlauf der einstigen Römerstraße.An dieser Sonnen-Südseite gab es vermutlich einst eine Art Raststätte für Pferdewechsel bzw. eine Straßenmeisterei, deren Personal im Winter die Strecke vom Schnee räumte.Auch könnte hier die Unterkunft für das Personal des Signaldienstes auf der Kuppe des Michelsberges gewesen sein.
Gierlichhausen( im Volksmund Jüleschuse)
Dort soll einst eine Schmiede gestanden haben.Das Wort Jüle könnte in Bezug zu Jülich stehen, zu dessen Herzogtum dieses Gebiet einige Jahrhunderte bis zur Annektion durch Frankreich unter Napoleon gehörte.Schuse dürfte sich von Chaussee ableiten.Da sich auf der angrenzenden Bleielsnück das sogenannte kleine Gericht befand,war hier vermutlich der Standort für ein Gerichtshaus.Laut mündlicher Überlieferung sollen im Ackerboden früher Hausfundamente zutage getreten sein.Oberhalb östlich im Hanggelände des Hohberges trägt eine Flur den Namen Zollstock.
Dies deutet auf einen Umschlagplatz bzw.Zollstelle zwischen den Gebieten des Herzogtums Jülich und Kur-Köln hin, dessen Territorium südlich der Wasserscheide mit der Mutscheid begann.
Da an der Bleielsnück kein Bergbau betrieben wurde, befand sich hier wohl eher ein Umschlagplatz für Bleierzeugnisse. Auf einer Anhöhe oberhalb eines kleinen Siefens,genannt Homich(Hombach) westlich der Bleielsnück fand der Verfasser einst mehrere aus Blei hergestellte Krampen.
Heisterpützchen
Bezeichnung für eine früher sehr bekannte und von den Einheimischen genutzte Quelle im Mahlberger in Nähe der Gemarkung Zehnmorgen. Zur Zeit der Blaubeerernte hatten früher die Beerensammler aus Mahlberg auf dem Weg in die Heide hier gerne ihren Dursr gestillt,ebenso während der Heuernte auf den umliegenden Wiesen oder die damaligen Waldarbeiter.Die Quelle ist heutzutage an ihrer alten Stelle am Wegesrand unterhalb einer mächtigen Buche versiegt und tritt jetzt 10 m tiefer hangabwärts im Walde zutage,in heutiger Zeit nicht mehr beachtet. Die Quelle dürfte bereits den Jäger und Sammlern der Steinzeit genutzt worden sein. Der Verfasser entdeckte 1980 noch etwas tiefer im Waldgelände in der Nähe eines kleinen Baches eine Feuersteinspitze.
Mentensiefen ( Im Entensiefen)
Das Wort Siefen oder Seifen bezeichnet enge, sumpfige Talsenken,meist im Quellbereich eines Bachlaufes. In Ortsnähe sind diese inzwischen zumeist trockengelegt oder zugeschüttet mit dem Erdaushub aus dem Straßenbau.Der Name Entensiefen dürfte auf einen in früherer Zeit wohl ein bevorzugter Aufenthaltsort von Enten oder Wildenten gewesen sein, evtl. auch in Zusammenhang mit der in der Nähe gelegenen Wüstung Heigem. Daneben finden sich in Ortsnähe noch weitere Talsenken mit der Endung Siefen: z.B. Alkessiefen, Scheidsiefen,*
Rolesiefen,Inssemsiefen,Fuhrtsiefen).
*Anm. Unter Scheid verstehen die Einheimischen eine Grenze oder Begrenzung einer Gemarkung. Das Wort Scheid für Ortsnamen entstammt der keltischen Sprache.
Oedert oder Oedertswald
Der Bezug auf Odin,der von von den Germanen verehrten Gottheit, ist nahe liegend, muss aber rein spekulativ bleiben.Es sei in diesem Zusammenhang aus der Geschichte des Michelsberges von Dr. Rudi Creutz zitiert. Die alten Germanen glaubten, dass in Sturmesnächten Odin( auch Wodan genannt) zu Pferde auf die Erde kam.Auf dem Michelsberg hatte er seinen Thron und die hier ansässigen Germanen hatten hier eine seinem Namen geweihte Kultstätte( großer Felsbrocken Opferfeuer).Dieser Platz diente gleichzeitig auch als Thing- und Gerichtsstätte. Anstelle von Odin verehrt man seit der christlichen Zeit auf dem Berge mit den drei Kuppen den heiligen Erzengel Michael. Der alte Name des heidnischen " Mahal" ging auf das Dorf Mahlberg über. Evtl. wurde hier bereits in der Mittelsteinzeit ein Opferkult ausgeübt, da laut Bericht der Fachleute ein großer Anteil der an der Fundstelle hinter dem Michelsberg gefundenen Steinartefakte Feuerspuren wie Risse und Verfärbungen aufweist.
Op de Pöhle (wörtlich übersetzt Auf den Pfählen)
Die Waldgemarkung wird unterteilt in Mahlberger und in Schönauer Pöhle.Es handelt sich um eine mit ursprünglichem Buchen- und Eichenwald bestandene Hochfläche,deren Nord-und Westflanke steil abfällt und an der Nordseite über einen zuletzt lehmigen Waldweg mit längerem Anstieg aus dem Tal des Schussbachs parallel zum Hohlweg, Ahl Höll genannt, erreicht wird. Östlich steigt die
Pöhle genannte Hochfläche bis zur früheren Mahlberger Heide, jetzt Zehnmorgen,nur leicht an. Vor Erreichen der Hochfläche weist der aus nördlicher Richtung kommende Lößweg eine ziemliche Steigung auf.
Anstieg zur Op de Pöhle von Norden
In diesem Bereich des Anstiegs fanden sich sich in den 80er-Jahren einige Artefakte aus
Feuerstein, vor allem Klingen, Spitzen(Mikrolithen) von unterschiedlicher regionaler Herkunft. So ist ein Exemplar aus sogenanntem baltischen Feuerstein gefertigt, eine Klinge aus Rijckholt-Material in den Niederlanden und eine Klinge mit zwei Bruchstücken aus Obourger Flint( Obourg bei Mons in Belgien).Nach Auswertung durch Fachwissenschaftler des Rheinischen Landesmuseums Bonn sind die Funde überwiegend der Jungsteinzeit (Neolithikum ca. 5.500/4.500- 2000 v.Christus)
retuschierte Klinge aus baltischem Feuerstein
zuzuordnen, einige wurden in die Mittelsteinzeit datiert.In damaliger Zeit lebten die Menschen bereits in festen Siedlungen, so dass damit eine erste dauerhafte Besiedlung für den Raum Bad Münstereifel mit dem Höhengebiet nachgewiesen ist.Möglicherweise deutet die Bezeichnung Op de Pöhle( Auf den Pfählen) auf eine seit der Vorzeit überlieferte Befestigung in Form von Holzpalisaden hin. Nach Meinung des Archäologen bzw. Fundauswerters vom Rheinischen Landesmuseum( Herr Dr. Arora) läßt der Flurname auf einen alten Grenzpfahl, Grenzmarkierungen oder eine Befestigung schließen, die sogar noch bis in die römische Zeit zurückgeht in Anbetracht ähnlicher Bezeichnungen andererorts.
Zehnmorgen
Ursprünglich als Heideland als Teil der Mahlberger Heide in Gemeindebesitz.Dort sollen laut Überlieferung zur Franzosenzeit während der napoleonischen Epoche zehn Parzellen von der Größe eines Morgens aufgeteilt und an die Bauern als Ackerland oder Wiese verkauft worden sein.
Die Flurnamen des Ortes Mahlberg entstammen dem in der Nordeifel gesprochenen ripuarischen Dialekt der Franken, die die Gegend in nachrömischer Zeit besiedelten.Die Namen gehen darüber hinaus zum Teil wohl auf keltischen Ursprung zurück. Der Ursprung oder Anlass für die Namensgebung der Fluren und Gemarkungen lässt sich vielfach nicht mehr feststellen.Evtl. könnten in Einzelfällen auch Personen- oder Familiennamen eine Rolle gespielt haben.Jedoch kann man oft noch erkennen, auf welchen Ursprung der Name zurück zu führen ist.Eine Erklärung für die nachstehenden Flurnamen habe ich von älteren Einheimischen in den 80-er-Jahren erhalten.
Alt-Rott
Dem Namen nach eine alte Rodung.Man sagt, dort habe bis zum Dreißigjährigen Krieg Mahlberg
gestanden.Dieser Standort befindet sich unterhalb der Landstraße Richtung Rheinbach, so dass der
Ort dann wesentlich höher lag als heute,wo der Ortskern sich auf einer geschützten Sattellage befindet. Es handelt sich bei dem alten Standort evtl. auch um die frühere Wüstung Heigem, die in alten französischen Tranchot-Karten aus napoleonischer Zeit von 1801-1814 an dortiger Stelle als Ruine Heigem angegeben ist.Die Ausführungen "Die Wandlungen im Landschaftsbilde der Eifel seit der unter dem Obersten Tranchot ausgeführten französischen Landesaufnahme( 1801- 1814) enthalten auf der Seite 83 einen Hinweis: ..... im Quellgebiet der Erft wurde Heigem bei Mahlberg ( Kreis Rheinbach) mit fünf Häusern als aufgegebene Wüstung erwähnt.
Artefakt Basaltstößel aus der Jungsteinzeit/Bronzezeit
Literaturnachweis: Artikel von Walther Tuckermann in Festschrift des Eifelvereins zur 25jährigen Jubelfeier.
Auf dem Ring ( im Volksmund Op dem Rong)
deutet auf eine wallähnliche Befestigung hin
Auf dem Eigen
Flurname für ein Gebiet oder Anwesen, das in früherer Zeit der Gründung dem Kloster Prüm oder anderer Herrschaft nicht abgabepflichtig( zehntfrei) war.
Auf dem Eiden, deutet auf eine frühere Thing- bzw. Gerichtsstätte hin.
Auf dem Haddert
in alten Urkunden auch Hadert geschrieben. Der Name könnte eine alte Kampfstätte bezeichnen. Vielleicht ereignete sich hier vormals auch eine private Fehde.
Hinten zu Mahlberg,Flurname für ein kleines Hochplateau östlich des Michelsberges.
dieser Flurname soll für eine untergegangene Siedlung stehen, die zum Ort Mahlberg gehörte.
In einem Teil der Wiese sieht man heute noch eine rechteckige ebene Fläche von Zimmergröße, die sich in ihrem Profil deutlich von dem umgebenden Gelände abhebt.Etwa 150 m nordöstlich davon tritt eine Quelle zutage, die nachweislich bereits in der Mittelsteinzeit den Menschen Wasser spendete und auch von den Römern genutzt wurde, die hier die Streße von Trier nach Köln vorbeiführten. An dieser Stelle machte man eine kleine Senke unterhalb der Quelle durch einen heute noch sichtbaren Erddamm passierbar.Dieser Erddamm staute damals das Quellwasser als Pferdetränke auf, Das Überlaufwasser im Gegensatz zu heute durch Drainage unterhalb des Erdwalls abgeleitet. Knapp 80 m südöstlich ist heute im mit Gebüsch bestandenen Gelände eine aufgelassene Kuhle, die den Römern als Erdaushub bzw.Steinbruch für den Trassenbau der Straße diente.
Galgenbenden( im Volksmund Jalchebähne gesprochen,d.h. Wiese) am Südhang des Michelsberges oberhalb der Straße nach Reckerscheid. Bezeichnet nach dem Standort des Galgens, der in früherer Zeit hier stand.Die Gerichtsstätte, genannt das große Gericht, war auf dem Michelsberg.
Am Lindchen, jetzt an der Zufahrt zum Wanderparkplatz am Michelsberg
Früher stand an dieser Stelle ein hohler Lindenbaum.In den Wiesen unterhalb hat man in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts Grundrisse aus römischer Zeit und auch Keramik entdeckt. Die Fundstelle ist heute im Wiesengelände verborgen.In ihr entdeckt man heute noch das Profil des ansteigenden Verlauf der einstigen Römerstraße.An dieser Sonnen-Südseite gab es vermutlich einst eine Art Raststätte für Pferdewechsel bzw. eine Straßenmeisterei, deren Personal im Winter die Strecke vom Schnee räumte.Auch könnte hier die Unterkunft für das Personal des Signaldienstes auf der Kuppe des Michelsberges gewesen sein.
Gierlichhausen( im Volksmund Jüleschuse)
Dort soll einst eine Schmiede gestanden haben.Das Wort Jüle könnte in Bezug zu Jülich stehen, zu dessen Herzogtum dieses Gebiet einige Jahrhunderte bis zur Annektion durch Frankreich unter Napoleon gehörte.Schuse dürfte sich von Chaussee ableiten.Da sich auf der angrenzenden Bleielsnück das sogenannte kleine Gericht befand,war hier vermutlich der Standort für ein Gerichtshaus.Laut mündlicher Überlieferung sollen im Ackerboden früher Hausfundamente zutage getreten sein.Oberhalb östlich im Hanggelände des Hohberges trägt eine Flur den Namen Zollstock.
Dies deutet auf einen Umschlagplatz bzw.Zollstelle zwischen den Gebieten des Herzogtums Jülich und Kur-Köln hin, dessen Territorium südlich der Wasserscheide mit der Mutscheid begann.
Da an der Bleielsnück kein Bergbau betrieben wurde, befand sich hier wohl eher ein Umschlagplatz für Bleierzeugnisse. Auf einer Anhöhe oberhalb eines kleinen Siefens,genannt Homich(Hombach) westlich der Bleielsnück fand der Verfasser einst mehrere aus Blei hergestellte Krampen.
Heisterpützchen
Bezeichnung für eine früher sehr bekannte und von den Einheimischen genutzte Quelle im Mahlberger in Nähe der Gemarkung Zehnmorgen. Zur Zeit der Blaubeerernte hatten früher die Beerensammler aus Mahlberg auf dem Weg in die Heide hier gerne ihren Dursr gestillt,ebenso während der Heuernte auf den umliegenden Wiesen oder die damaligen Waldarbeiter.Die Quelle ist heutzutage an ihrer alten Stelle am Wegesrand unterhalb einer mächtigen Buche versiegt und tritt jetzt 10 m tiefer hangabwärts im Walde zutage,in heutiger Zeit nicht mehr beachtet. Die Quelle dürfte bereits den Jäger und Sammlern der Steinzeit genutzt worden sein. Der Verfasser entdeckte 1980 noch etwas tiefer im Waldgelände in der Nähe eines kleinen Baches eine Feuersteinspitze.
Mentensiefen ( Im Entensiefen)
Das Wort Siefen oder Seifen bezeichnet enge, sumpfige Talsenken,meist im Quellbereich eines Bachlaufes. In Ortsnähe sind diese inzwischen zumeist trockengelegt oder zugeschüttet mit dem Erdaushub aus dem Straßenbau.Der Name Entensiefen dürfte auf einen in früherer Zeit wohl ein bevorzugter Aufenthaltsort von Enten oder Wildenten gewesen sein, evtl. auch in Zusammenhang mit der in der Nähe gelegenen Wüstung Heigem. Daneben finden sich in Ortsnähe noch weitere Talsenken mit der Endung Siefen: z.B. Alkessiefen, Scheidsiefen,*
Rolesiefen,Inssemsiefen,Fuhrtsiefen).
*Anm. Unter Scheid verstehen die Einheimischen eine Grenze oder Begrenzung einer Gemarkung. Das Wort Scheid für Ortsnamen entstammt der keltischen Sprache.
Oedert oder Oedertswald
Der Bezug auf Odin,der von von den Germanen verehrten Gottheit, ist nahe liegend, muss aber rein spekulativ bleiben.Es sei in diesem Zusammenhang aus der Geschichte des Michelsberges von Dr. Rudi Creutz zitiert. Die alten Germanen glaubten, dass in Sturmesnächten Odin( auch Wodan genannt) zu Pferde auf die Erde kam.Auf dem Michelsberg hatte er seinen Thron und die hier ansässigen Germanen hatten hier eine seinem Namen geweihte Kultstätte( großer Felsbrocken Opferfeuer).Dieser Platz diente gleichzeitig auch als Thing- und Gerichtsstätte. Anstelle von Odin verehrt man seit der christlichen Zeit auf dem Berge mit den drei Kuppen den heiligen Erzengel Michael. Der alte Name des heidnischen " Mahal" ging auf das Dorf Mahlberg über. Evtl. wurde hier bereits in der Mittelsteinzeit ein Opferkult ausgeübt, da laut Bericht der Fachleute ein großer Anteil der an der Fundstelle hinter dem Michelsberg gefundenen Steinartefakte Feuerspuren wie Risse und Verfärbungen aufweist.
Op de Pöhle (wörtlich übersetzt Auf den Pfählen)
Die Waldgemarkung wird unterteilt in Mahlberger und in Schönauer Pöhle.Es handelt sich um eine mit ursprünglichem Buchen- und Eichenwald bestandene Hochfläche,deren Nord-und Westflanke steil abfällt und an der Nordseite über einen zuletzt lehmigen Waldweg mit längerem Anstieg aus dem Tal des Schussbachs parallel zum Hohlweg, Ahl Höll genannt, erreicht wird. Östlich steigt die
Pöhle genannte Hochfläche bis zur früheren Mahlberger Heide, jetzt Zehnmorgen,nur leicht an. Vor Erreichen der Hochfläche weist der aus nördlicher Richtung kommende Lößweg eine ziemliche Steigung auf.
Anstieg zur Op de Pöhle von Norden
In diesem Bereich des Anstiegs fanden sich sich in den 80er-Jahren einige Artefakte aus
Feuerstein, vor allem Klingen, Spitzen(Mikrolithen) von unterschiedlicher regionaler Herkunft. So ist ein Exemplar aus sogenanntem baltischen Feuerstein gefertigt, eine Klinge aus Rijckholt-Material in den Niederlanden und eine Klinge mit zwei Bruchstücken aus Obourger Flint( Obourg bei Mons in Belgien).Nach Auswertung durch Fachwissenschaftler des Rheinischen Landesmuseums Bonn sind die Funde überwiegend der Jungsteinzeit (Neolithikum ca. 5.500/4.500- 2000 v.Christus)
retuschierte Klinge aus baltischem Feuerstein
zuzuordnen, einige wurden in die Mittelsteinzeit datiert.In damaliger Zeit lebten die Menschen bereits in festen Siedlungen, so dass damit eine erste dauerhafte Besiedlung für den Raum Bad Münstereifel mit dem Höhengebiet nachgewiesen ist.Möglicherweise deutet die Bezeichnung Op de Pöhle( Auf den Pfählen) auf eine seit der Vorzeit überlieferte Befestigung in Form von Holzpalisaden hin. Nach Meinung des Archäologen bzw. Fundauswerters vom Rheinischen Landesmuseum( Herr Dr. Arora) läßt der Flurname auf einen alten Grenzpfahl, Grenzmarkierungen oder eine Befestigung schließen, die sogar noch bis in die römische Zeit zurückgeht in Anbetracht ähnlicher Bezeichnungen andererorts.
Zehnmorgen
Ursprünglich als Heideland als Teil der Mahlberger Heide in Gemeindebesitz.Dort sollen laut Überlieferung zur Franzosenzeit während der napoleonischen Epoche zehn Parzellen von der Größe eines Morgens aufgeteilt und an die Bauern als Ackerland oder Wiese verkauft worden sein.
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